Home / Beiträge gepostet von Martina Maier

Tankred Dorst †

„Die wenigen Spuren ihrer Existenz bleiben rätselhaft.“ (Merlin in „Merlin oder Das wüste Land“ über die Menschheit)

Tankred Dorst ist verstorben. Mit großer Trauer haben wir heute diese Nachricht erhalten.
Mit seinem Weltepos „Merlin oder Das wüste Land“ (Regie: Jan-Christoph Gockel) eröffnete Intendantin Iris Laufenberg ihre erste Spielzeit 2015.2016 am Schauspielhaus Graz. Im Zuge dessen begegnete uns Tankred Dorst als freundlicher, kluger, weltoffener Mensch, der mit Leib und Seele Autor war. Diese Begegnungen werden uns in wertvoller Erinnerung bleiben. Unsere Gedanken sind bei allen, die ihm nahestanden.
Das Team des Schauspielhaus Graz

„Der richtige Weg ist der, auf dem der Mensch sich selber findet.“ (aus „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst und Ursula Ehler)

Iris Laufenberg: „Tankred Dorst war 1991 mein erster ‚Chef‘ am Theater nach meinem Uni-Abschluss. Er hatte gemeinsam mit Intendant Manfred Beilharz am Schauspiel Bonn das Festival Bonner Biennale gegründet. Mit Ursula Ehler und Tankred Dorst war ich für das Festival auf unvergesslichen Dienstreisen durch Europa und gemeinsame Erlebnisse auf Reisen schweißen zusammen. Vor allem dann, wenn die Begleitung solch gebildete und großzügige Weltenbummler sind, an deren Seite zu sein, jede Sekunde reines Vergnügen bedeutete. Ich bin unendlich traurig und meine Gedanken sind bei Ursula. Eurer beiden Liebe ist in der Tat tiefer als jeder Ozean.“

„Und einmal sollte Frieden sein für immer.“ (aus „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst und Ursula Ehler)

 

Bild 1: Tankred Dorst, Iris Laufenberg, Ursula Ehler | Bild 2: Leitungssitzung der Bonner Biennale 1993 mit Ursula Ehler, Tankred Dorst, ehem. Intendant des Schauspiel Bonn Manfred Beilharz, Iris Laufenberg, Irma Dohn, Herrmann Wündrich und Frieder Weber (von rechts nach links) | Bild 3: Tankred Dorst, Iris Laufenberg, Ursula Ehler (Maifestspiele Wiesbaden 2016) | Tankred Dorst, Ursula Ehler, Uwe-Eric Laufenberg (Maifestspiele Wiesbaden)
Die Bilder sind nicht zum Download und zur Veröffentlichung freigegeben.

Über Tankred Dorst auf nachtkritk.de
1925 im thüringischen Oberlin bei Sonneberg geboren, begann Dorst seine Schriftstellerlaufbahn in München, wo er in den 1950er Jahren für das Studenten-Marionettentheater „Kleines Spiel“ Stoffe der Weltliteratur von Lope de Vega bis Grabbe bearbeitete. Seinen Durchbruch als Dramatiker erlebte er 1960 mit dem an Brechts epischem Theater geschulten Einakter „Große Schmährede an der Stadtmauer“. Dorsts inhaltlich stets komplex gedachte Stücke wurzeln – trotz oft mythischer oder fantastischer Stoffe – in der Gegenwart. Besonders sein 1981 in Düsseldorf uraufgeführtes Achtstundendrama „Merlin oder Das wüste Land“ inspiriert Regisseure immer wieder zu grundsätzlichen Befragungen der Zeit. Seine Verfechter heben Dorsts konsequentes Eintreten für eine Perspektive des Einzelnen hervor, sein Misstrauen gegenüber Ideologien und verordneten Perspektiven der Geschichtsschreibung.

In seinen mehr als 50 Stücken setzte sich Tankred Dorst auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinander. Regisseure wie Peter Zadek, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. Neben Theaterstücken schrieb Tankred Dorst auch Libretti und Drehbücher. Viele Stoffe wurden gemeinsam mit Ursula Ehler entwickelt, mit der er seit Anfang der 1970er Jahre verheiratet war. 2009 wurde Dorst mit dem Verdienstorden des Landes Thüringen ausgezeichnet. 2010 wurde ihm der Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Würtemberg verliehen, im selben Jahr wurde er Ehrenbürger von Sonneberg. 2012 erhielt er für sein Lebenswerk den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“. (WDR / geka)

THE WORD WAS GOD – Eine Stückentwicklung

A phone call between a transgender man and a religious call centre operator, Victor and Frieda are thrown together with no choice but to try to communicate. Through stories, dreams and fantasies they struggle to find common ground.

Lina Hölscher und Kit Redstone absolvierten gemeinsam den Master in Performance Making am Goldsmiths College in London. Für ‚The Word Was God’ arbeiten sie nun erstmal wieder zusammen. Das Stück ist inspiriert von Kit Redstone Biographie. Er schrieb den Text für das Grazer Projekt, welches auf der Probe mit Ninja Reichert gemeinsam weiterentwickelt und perfektioniert wurde. Die Beteiligten stellten sich der großen Herausforderung und Sprachbarrieren und gelangten schließlich zu einem Theaterabend, der nicht nur informativ, sondern auch humorvoll und spannend ist.

Auf Englisch mit deutschen Übertiteln

gefördert von der Stadt Graz, dem Land Steiermark und dem Queer-Referat der Uni Graz

Mit Kit Redstone und Ninja Reichert

VORSTELLUNGEN am 11., 12. und 13. Mai 2017, HAUS DREI

Die Spielzeit 2017.2018 am Schauspielhaus Graz

– Pressemitteilung vom 27. April 2017 –

 Am heutigen Donnerstag, 27. April, präsentierten die Geschäftsführende Intendantin des Schauspielhaus Graz, Iris Laufenberg, und ihr Team den Spielplan der Saison 2017.2018.

Waren es in den vergangenen Spielzeiten die unterschiedlichen Perspektiven auf Grenzen (15.16) sowie Tradition und Revolutionen (16.17), so ist 2017.2018 der thematische Schlusspunkt dieses Dreijahreszyklus mit insgesamt 67 großen und kleinen Produktionen erreicht, der schließlich bei der Frage nach dem Glauben ankommt: Woran glauben wir eigentlich? Wofür brauchen wir Religion und wofür benutzen wir sie? Kann uns der Glaube Sicherheit geben? Oder müssten wir mehr nach Wissen als nach Glauben streben?

Das Publikum erwarten insgesamt 22 Premieren, darunter vier Uraufführungen und drei Österreichische Erstaufführungen auf drei Bühnen und außerhalb des Schauspielhauses. Wiederaufnahmen, Gastspiele, die dritte Auflage des Dramatiker|innenfestivals, das von 6. bis 10.6.2018 unter dem Titel „Rede!“ stattfinden wird, sowie weitere Kooperationen mit dem Festival steirischer herbst, dem Theater im Bahnhof und dem Studiengang Schauspiel der Kunstuniversität Graz runden das Programm ab.

Der Spielplan 2017.2018 – Spielzeiteröffnung

Die Spielzeit beginnt mit Werner Schwabs „Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm“ am 29.9.2017 in HAUS EINS. Das 1994 posthum uraufgeführte Stück bedient sich Goethes Faust-Motiven, doch in Schwabs sprachgewaltiger Paraphrase beklagt Faust nicht – wie bei Goethe – das Versagen allen Wissens, sondern gänzlich allen Sinns. Inszenieren wird Claudia Bauer, die dem Grazer Publikum bereits durch ihren „Volpone“ bekannt ist.

Ein weiterer Grazer Autor eröffnet HAUS ZWEI: Clemens J. Setz‘ erstes abendfüllendes Stück „Vereinte Nationen“ bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen elterlicher Manipulation und Fürsorge. Mathias Schönsee (u.a. „Johnny Breitwieser“) inszeniert das für den Mülheimer Dramatikerpreis 2017 nominierte Stück. (Österreichische Erstaufführung: 30.9.2017)

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“
Alte Meister der Sprache, die sich in ihren Werken mit der Frage nach dem Glauben auseinandersetzen und deren Romanfiguren und Schicksale pralles Leben für die Bühne versprechen, sind Joseph Roth und Thomas Mann. Die dem Grazer Publikum bereits bekannten Regisseure András Dömötör (zuletzt „der thermale widerstand“) und Alexander Eisenach („Frequenzen“ nach Clemens J. Setz) denken und entwickeln „Hiob“ (Premiere: 17.11.2017, HAUS EINS) und „Der Zauberberg“ (Premiere: 12.1.2018, HAUS EINS) weiter.

Die Britin Lily Sykes („Romeo und Julia“) hat für Lessings Klassiker „Nathan der Weise“ Feuer gefangen (Premiere: 20.10.2017, HAUS EINS). Wie ist Nathans berühmte Ringparabel heute zu lesen? Wie können wir uns verständigen, wie gegenseitig verstehen?

Gott und die Götter
Große Texte verlangen große Ideen und so bringt das Ende der Spielzeit die Zuschauer*innen an den Anfang unserer Kultur. Regiemeister Volker Hesse („Geächtet“), der bekannt ist für seine Großprojekte, holt mit der Bibelbearbeitung „Das Alte Testament“ das monumentale Werk auf die Bühne von HAUS EINS, die dafür umgebaut wird und eine neue Perspektive auf die alten Texte ermöglicht. (Premiere: 12.5.2018). Das „Buch der Bücher“ wird er mit Schauspieler*innen und Laien umsetzen.

Direkt oder metaphorisch begegnen uns Gott und Götter auch in folgenden weiteren Stücken: In der Kooperation mit dem Festival steirischer herbst, „Bacchae – Prelude to a Purge“, schafft Choreografin Marlene Monteiro Freitas mit viel Humor eine performativ-tänzerische Klassikerbearbeitung von Euripides‘ antiker Tragödie „Die Bakchen“ (Aufführungen: 6. und 7.10.2017, HAUS EINS).

In „Bernarda Albas Haus“ schafft die Witwe Bernarda Alba aufgrund eines archaischen Trauerrituals ein faschistoides Frauenregime, in dem der tote Gott-Vater über das Leben ihrer Töchter und aller anderen Bewohnerinnen des Hauses bestimmt. Regisseur Stephan Rottkamp (u.a. „Der Sturm“) inszeniert Federico García Lorcas „Frauentragödie in spanischen Dörfern“ in HAUS EINS (Premiere: 2.2.2018).

Nestroypreisträger Nikolaus Habjan beschäftigt sich zusammen mit dem Wiener Autor Paulus Hochgatterer, der dem Puppenspieler und dessen Puppen ein Stück auf den Leib schneidern wird, mit einem berühmten Sohn der Stadt Graz: Karl Böhm. Das Stück um einen der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, der sich mit dem Nationalsozialismus gemein machte, wird von Habjan inszeniert und als Solo gespielt. „Böhm“, Uraufführung: 22.3.2018, HAUS EINS.

Weitere Premieren und Wiederaufnahmen in HAUS EINS
„Jedem das Seine“ von Peter Turrini und Silke Hassler erzählt von der vereinigenden Kraft des Theaters in den finstersten Momenten der Geschichte und darüber, wie die Musik für einen Moment die Realität aufheben kann – Regisseur und Musiker Sandy Lopičić wird nach „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ und „Redaktionsschluss!“ seinen dritten Abend in HAUS EINS inszenieren (Premiere: 2.3.2018).

Schonungslos entblößte Molière schon in seinem 1664 uraufgeführten „Tartuffe“ religiöse Frömmelei und die Verblendung der bürgerlichen Gesellschaft; der Text liest sich noch heute als Kommentar auf die Richtungslosigkeit und Überforderungen des modernen Menschen. Inszenieren wird Markus Bothe („Struwwelpeter“ und „Cyrano de Bergerac“); Premiere: 7.12.2017 in HAUS EINS.

Die Wiederaufnahmen der Publikumserfolge „Der Talisman“ von Johann Nestroy, „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer und „Struwwelpeter“ nach McDermott, Crouch und Jacques runden den Spielplan von HAUS EINS ab.

HAUS ZWEI – im Zeichen der Gegenwartsdramatik
Der Spielplan von HAUS ZWEI präsentiert in diesem Jahr nach Clemens J. Setz‘ „Vereinten Nationen“ die Uraufführung eines neuen Werks von Autor Oliver Kluck, das den Titel „Antigone GmbH“ tragen wird. Premiere: 2.12.2017; Regie: Dominic Friedel (u.a. „Kasimir und Karoline“, „Du (Norma)“).

Darauf folgt im Jänner eine weitere Uraufführung: Nicoleta Esinencu wird das aktuelle Europa vermessen und zwei Stücke schreiben, die beide jeweils mit einem aus moldawischen und österreichischen Mitwirkenden gemischten Ensemble unabhängig voneinander produziert und aufgeführt werden; eines am Schauspielhaus Graz („Rest of Europe“ (Arbeitstitel)), das andere am Teatru-spălătorie in Chişinău. (Uraufführung im Jänner 2018, Regie: Nina Gühlstorff)

Claudia Bossard setzt „Bilder von uns“ von Thomas Melle als Österreichische Erstaufführung um: Das Stück, das mit dem anonym verschickten Bild eines nackten Jungen beginnt, handelt vom Umgang mit dem Thema Missbrauch in der Gesellschaft (Premiere: März 2018).

Der Diskurs um Religion, Vorurteile und Ideologie wird mit einem weiteren Stück des pakistanisch-stämmigen US-amerikanischen Autors Ayad Akhtar, dessen „Geächtet“ in der Spielzeit 2016.2017 berührt und gefordert hat, fortgesetzt. „The Who and the What“ (Regie: Jan Stephan Schmieding) ist ein Konversationsstück in bester Akhtar-Manier über Bruchlinien innerhalb einer muslimischen Familie im heutigen Amerika, die sich über das Bild des Propheten entzweit (Premiere: Mai 2018).

Und auch die Kooperation mit dem Theater im Bahnhof geht in der Saison 2017.2018 in die nächste Runde: Schauspielerin und Autorin Pia Hierzegger schreibt einem gemischten Ensemble aus TiB- und Schauspielhaus-Kolleg*innen „Polizei Graz. Eine All-Inclusive-Erfahrung“: Je mehr die Seelen dreier Paare, Kolleg*innen bei der Grazer Polizei, im gemeinsamen Urlaub zu baumeln beginnen, desto energischer klopft ein längst verdrängt geglaubtes Ereignis an. Inszenieren wird Monika Klengel; Uraufführung im April 2018.

Maxim Gorki fing in „Kinder der Sonne“ das Lebensgefühl einer satten bürgerlichen Schicht ein, die über das Erdenken einer besseren Welt verpasst, was wirklich in der Gesellschaft vorgeht. Gorkis Stück wird mit Studierenden des Studiengangs Schauspiel der Kunstuniversität Graz entstehen; Regie führt Pedro Martins Beja (Premiere: 5.10.2017).

HAUS DREI – persönliche Experimentierbühne

Weiterhin soll auf der dritten Bühne des Schauspielhauses ein kleines Repertoire gepflegt werden: Franz-Xaver Mayr wird „Am Boden“ von George Brant, einen poetischen Monolog über die inneren Widersprüche einer Frau, die als amerikanische Kriegspilotin zwischen militärischem Eifer und familiärer Fürsorge steht, als seine erste Arbeit am Schauspielhaus inszenieren (Österreichische Erstaufführung: November 2017).

Elena Bakirova (zuletzt „Einfach kompliziert“) inszeniert „Welche Droge passt zu mir?“ von Kai Hensel: Ensemblemitglied Henriette Blumenau schlüpft in die Rolle einer jungen Mutter, Hausfrau und selbstbewussten Drogenkonsumentin. Doch trotz ihrer Versuche, mit ihrem Vortrag die guten Seiten des Drogenkonsums aufzuzeigen, blickt man zunehmend hinter die bröckelnde Fassade. (Premiere: Frühjahr 2018)

Die Erschließung neuer Räume – Stadtprojekte, Theaterfest und darüber hinaus
Nach erfolgreichen Produktionen wie „Judas“, der in 25 steirischen Kirchen zu sehen war und auch in der kommenden Saison weitergeführt wird und „Cyrano de Bergerac“ auf der Schloßbergbühne Kasematten, führt auch die kommende Saison wieder in neue Räume: Der dritte Teil von Regisseur Clemens Bechtels Menschenrechtsprojekt „Graz und die Menschenrechte“ begibt sich (nach Stationen im Oberlandesgericht 2016 und im Schaumbad 2017) im Mai 2018 an einen neuen Ort; Themen der Recherche sind „Glauben(s)-Kriege / -bekenntnisse“. Und auch das von Regisseur Philipp J. Ehmann entwickelte Revolutionsspiel „Press Staat for Revolution“ (2016) findet unter dem Titel „Libertalia 2.0 – Was nach der Revolution geschah“ eine Fortsetzung als Stadtprojekt im Frühjahr 2018.

Der Spielzeitauftakt wird am letzten September-Wochenende mit den Eröffnungspremieren in HAUS EINS, HAUS ZWEI und dem rätselhaften Stück „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ von Nassim Soleimanpour begangen. Außerdem mit einem Tag der offenen Tür, einem Stückeparcours, einem Konzert von „Der Nino aus Wien“ und der BIG PARTY auf der Bühne von HAUS EINS am 30. September 2017. „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ ist eine humorvolle und poetisch-politische Kombination von Theaterunterhaltung und sozialem Experiment. Jede Vorstellung wird mit einem/r Schauspieler/in als Überraschungsgast, der/die das Stück prima vista lesen muss und nichts darüber wissen darf, ebenfalls eine Premiere sein.

Weitere Neuigkeiten – Theaterpädagogik, Ensemble, Abosystem
Die 1991 in Aachen geborene Maximiliane Haß kommt mit der Spielzeit 2017.2018 neu ins Ensemble des Schauspielhaus Graz. In Graz gibt sie ihr Debüt als „Recha“ in „Nathan der Weise“.

Unter dem Label „Schauspielhaus aktiv“ findet sich eine Fülle von Angeboten für alle, die sich nach, vor oder auch ohne einen Vorstellungsbesuch weiterführend mit Themen und Stoffen unseres Spielplans beschäftigen möchten. Mit Anfang September 2017 werden zwei weitere Stellen in der Theaterpädagogik des Schauspielhauses besetzt sein. So kann das umfangreiche Programm noch ausgeweitet und zusätzliche Formate geschaffen werden.

Das Abonnementsystem des Schauspielhauses bleibt im Bereich der Fixplatzabonnements, die den Abonnent*innen die meisten Vorteile bieten, in derselben Weise bestehen wie bisher; eine Änderung und Vereinheitlichung des Scheckabonnement-Systems hingegen soll vor allem jenen Besucher*innen entgegenkommen, die Flexibilität schätzen und 20% ermäßigte Theaterfreude in Serie genießen möchten: Zusammengefasst werden die Scheckabos neu unter dem Begriff der 10er-Blöcke, die es in unterschiedlichen Varianten gibt.

Neu ist darüber hinaus das Angebot eines „Supertages“, an dem etwa monatlich eine Vorstellung in HAUS EINS mit 30 % Ermäßigung besucht werden kann.

Patrick Schlösser

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht von Regisseur Patrick Schlössers frühem Ableben erhalten.

Wir schätzten Schlösser, der seit der Spielzeit 2006/2007 am Schauspielhaus sechs Inszenierungen auf die Bühne gebracht hat, als wertvollen Kollegen und fühlten uns ihm freundschaftlich verbunden. Unsere Gedanken sind bei allen, die ihm nahe standen und ihn ebenso vermissen werden, wie wir das tun.

PATRICK SCHLÖSSER

Schlösser, geboren 1971 in Bitburg/Rheinland-Pfalz, studierte Anglistik, Theater- und Musikwissenschaften in Mainz, bevor er 1993 Regieassistent am Staatstheater in Mainz unter Intendantin Anna Badora wurde. Mit Badora wechselte er nach Düsseldorf und assistierte u.a. bei den Regisseuren Wilfried Minks und Einar Schleef. Ab 1999 arbeitete er als Regisseur, von 2000 bis 2002 als fester Hausregisseur am Schauspielhaus Bochum (bei Intendant Matthias Hartmann). Nach 2002 gastierte er u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Deutschen Theater Berlin, am Theater Basel und am Schauspielhaus Graz. Von 2010 bis 2014 war Schlösser als Oberspielleiter für das Schauspiel des Staatstheaters Kassel verantwortlich.

Spielzeit 2014/2015:
In der Saison 2014/2015 führte Patrick Schlösser die Regie bei der Uraufführung Le Passé – Das Vergangene nach dem gleichnamigen Film von Asghar Farhadi.

Spielzeit 2009/2010:
In der Spielzeit 09/10 inszenierte Patrick Schlösser Liebe und Geld von Dennis Kelly am Schauspielhaus Graz.

Spielzeit 2008/2009:
In der Spielzeit 08/09 war Patrick Schlössers Inszenierung von Malina nach Ingeborg Bachmann auf der Probebühne zu sehen.

Spielzeit 2007/2008:
In der Spielzeit 07/08 war unter seiner Regie Thomas Bernhards Am Ziel zu sehen.

Spielzeit 2006/2007:
Am Schauspielhaus Graz inszenierte er in der Spielzeit 06/07 Zwischenspiel und Der Menschenfeind.

3 FRAGEN AN LINA HÖLSCHER über „THE WORD WAS GOD“

Kit Redstone ist ein englischer Schauspieler und Autor, wohnhaft in London. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Lina Hölscher: Ich habe unter anderem in London studiert und Kit war in meinem Jahrgang. Wir haben dort unsere Abschlussprüfung in einer gemeinsamen Performance absolviert, das ist aber bald fünf Jahre her. Ich habe dann von seiner Geschlechtsangleichung erfahren, als ich schon in Graz lebte und ich fand das Thema außerordentlich spannend und wichtig für die Bühne. Außerdem ist Kit noch dazu ein guter Schauspieler, Schreiber und eine sehr spannende Gestalt auf der Bühne. Ich habe ein Konzept geschrieben und es dauerte etwas, bis Förderungen für das gemeinsame Projekt zugesichert wurden. Aber in Graz hat es dann geklappt. Ninja Reichert komplettiert das Dreamteam. Das Stück wird auf Englisch gespielt, eine große Herausforderung für Ninja, die sie aber mit Bravour meistert.

Das Stück handelt also vom Thema transgender?

Lina Hölscher: Ja, aber nicht nur. Und das ist eigentlich das besondere an dieser Show. Es wird zwar besprochen und es ist auch wichtig, aber wir wollten das Thema transgender nicht ausstellen oder den transgender Mann als Opfer darstellen. Es geht auch um die Vorurteile, die Victor gegenüber der religiösen, konservativen Frau am anderen Ende der Leitung hat. Das Stück ist eine interessante Konversation die informiert, aber auch sehr viel Humor hat.

Warum heißt euer Stück ‚The Word Was God‘? 

Lina Hölscher: Gute Frage, also bei einer Stückentwicklung ist der Titel oft lange vage oder erstmal ein Arbeitstitel.  Kits Character Victor, bringt im Stück ein ganz wichtiges Argument für den vermeintlichen Konflikt transgender versus Religion. Er sagt: „In the beginning was the word, and the word was God… So the doctor pronounced my gender. The word, ‘girl’. The word girl was God. So society treated me like a girl. But I did not feel like a girl at all. So I was made by God, yet made to feel that I did not belong in this skin. So if all things were made by him then me being born a girl and deciding not to be one was all part of his plan.“  Kurz gesagt, wenn Gott alles geschaffen hat, dann auch Menschen in Frauen-Körpern, die sich als Mann fühlen und andersrum. Ich finde das ein schlagendes Argument. Wenn es einen Gott gibt, dann liebt er alle Menschen, egal welchen Glauben oder Lebensweisen sie haben.

 

NEU AM PLATZ: SCHREINER, die Café-Bar im Schauspielhaus

Mit Anfang Jänner übernimmt mit dem Grazer Emanuel Schreiner (28) ein international erfahrener Fachmann die Café-Bar im Grazer Schauspielhaus. Die „Verwandlung“, wie die Umgestaltung theatralisch benannt wird, findet in Etappen statt, die Gäste dürfen und können sich ab 10. Jänner 2017 daran erfreuen.

Emanuel Schreiner hat Hotelmanagement in Bad Gleichenberg studiert, im Anschluss ging es zunächst auf hohe See: Auf dem privaten Luxusschif The World war er über zwei Jahre lang als Abteilungsleiter tätig und bereiste dabei alle Kontinente. Weitere Etappen seiner Hotellaufbahn absolvierte er als Hotelmanager auf den 5-Sterne-Flussschifen von AmaWaterways, als Hoteldirektor in Lech am Arlberg sowie als Consultant und Projektmanager im Top-Luxus-Ressort von Louis Vuitton-Moet Hennessy auf den Malediven.

Und wie sehen Schreiners Pläne für die Café-Bar im Schauspielhaus aus? „Wir haben ein Konzept geschaffen, das den Anforderungen und dem Zielpublikum ebenso gerecht wird, wie unseren gehobenen Ansprüchen an Design und Funktion. Das SCHREINER bietet Platz für unterschiedliche Altersgruppen und verschiedene Aktivitäten im Tagesverlauf: Vom Frühstück über das Cappuccino-Netzwerken zum Platz für die Mittagspause oder das Feierabendbier.“
Neben österreichischen Kaffeehausspezialitäten und einer täglich variierenden Quiche-Auswahl zu Mittag setzt das SCHREINER vor allem auf heimische Weine, auch von kleineren Weingütern. Der regionale Bezug ist dem weitgereisten Emanuel Schreiner ganz besonders wichtig.

In enger Kooperation mit dem Schauspielhaus, allen voran mit Ausstattungsleiter Frank Holldack, wurde die „Verwandlung“ des Lokals geplant, die vorwiegend aus Zeitgründen – Anfang Jänner ist immer noch mitten in der Spielzeit – auf Etappen erfolgt und den architektonischen Stil des Schauspielhauses aufgreift. „Es ging uns darum, den Schauspielhaus-Gästen möglichst ohne Unterbrechung ein gutes gastronomisches Service zu bieten. Wir wollten nicht die Fenster mit Packpapier verhängen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Café-Bar umgestalten, im Gegenteil: Die Neugestaltung soll erlebbar werden, es werden bis zum großen Umbau im Sommer stückweise Veränderungen und Ergänzungen sichtbar und greifbar sein.“

Am 10. Jänner 2017 eröffnet das SCHREINER offiziell mit Gestaltungsphase 1 und Emanuel Schreiner, seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sowie das Team des Schauspielhauses freuen sich auf den Neustart der Café-Bar – und auf Ihren Besuch!

Kontakt: Emanuel Schreiner, e.schreiner@rvshotel.com, +43 (0)650 764 93 23

The Horror! The Horror!

Matthias Ohner zur neuen Vorstadttheater-Produktion HERZ DER FINSTERNIS

Joseph Conrads Erzählung stammt aus dem Jahr 1899. Was interessiert auch heute daran?
Es interessiert uns die Haltung europäischer Länder gegenüber rohstoffreichen, militärisch schwächeren und anders organisierten Ländern. Und wie sich diese Haltung in den letzten hundert Jahren verändert hat, sowie die Haltung eines Europäers einem Menschen gegenüber, der aus so einem Land kommt.

Wie nähert ihr euch der Geschichte an, wie geht ihr mit dem Text um?
Wir nähern uns der Geschichte wie immer wenn wir zu zweit arbeiten: Ed. streicht den Text zusammen und denkt und ich lasse seine Fantasien wahr werden.

„The Horror! The Horror“! Was fällt dir dazu ein?
Das Grauen! Das wir Menschen leider auch wahr werden lassen können.

Bisher kennen wir dich in Solo-Abenden in HAUS ZWEI, nun spielst du gemeinsam mit Benjamin Itene. Was darf man aus dem Probenprozess verraten? Wie bringt ihr „Herz der Finsternis“ auf die Bühne?
Mit Benjamin Itene zusammen zu arbeiten ist für mich sehr bereichernd und witzig. Er hat eine starke Aura und kann Atmosphären herstellen, was ich für die Arbeit eines Schauspielers recht wichtig finde. Außerdem muss ich ehrlich sagen: einmal einen Spielpartner zu haben ist schon auch sehr schön!
Erzählt und verbildlicht wird die Geschichte auch durch die Arbeit von Stefan Schmid der uns in seinem Studio eigene und Ed.’s  Afrikaaufnahmen in eine bühnentaugliche Form gebracht hat.
Jedenfalls sind wir gespannt, ob es uns gelingt alle Aspekte die „Herz der Finsternis“ anspricht und die, die uns interessieren sichtbar zu machen.

HERZ DER FINSTERNIS
PREMIERE am 16. Dezember, 20 Uhr, Haus Zwei
Weitere Vorstellungen: 21. und 28.12., 3. und 24.1., jeweils 20 Uhr sowie ab Februar

Für eine Öffnung

„Liebe Freunde. Ich erlaube mir hier, diesen Moment zu nützen. Für eine Öffnung. Hätt jetzt mal echt total gern, dass wir aus dem Loch da, eine Öffnung machen. Für ein offenes Land. Für eine offene Gesellschaft. Für ein offenes Reden. Denn es gäb noch viel zu sagen.“

Aus „Die Neigung des Peter Rosegger“ von Thomas Arzt
Im Schauspielhaus Graz arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft, Nationalität, Sprache, Religion und Weltanschauung zusammen und miteinander. Gerade von dieser Diversität kann ein Team profitieren.

Mit Besorgnis nehmen wir aktuelle nationale und internationale Entwicklungen wahr: So kam es in letzter Zeit zu fremdenfeindlichen Übergriffen auf Darsteller*innen unseres Hauses. Diese Taten und die Ideologien, die dahinter stehen, lehnen wir ab.

Wir hoffen und wünschen uns, dass das Land in dem wir leben und arbeiten weiterhin von Menschlichkeit, Solidarität und Freiheit geprägt ist. Wir glauben, dass Angst, Hetze und Spaltung die falschen Kräfte sind, die eine Gesellschaft leiten. Wir entscheiden uns für die Zuversicht!

 

SHG_Plot_politisch4 SHG_Plot_politisch

„HEIMAT BEI ROSEGGER UND HEUTE“

Podiumsdiskussion am 1. Dezember im Anschluss an die (vorerst) letzte Vorstellung von „Die Neigung des Peter Rosegger“ (ca. 21.00 Uhr), SALON, 1. RANG

Heimat emotionalisiert. Heimat politisiert. Heimat spaltet. Rund um das Theaterstück „Die Neigung des Peter Rosegger“, in dem fanatische Heimatliebe zu einer bedrohlichen Schieflage führt, öffnet sich das Schauspielhaus Graz für eine ambivalente Diskussion – kurz vor der Präsidentschaftswahl, die den Heimatbegriff von linker und rechter politischer Seite umkämpft. Es gilt auszuloten, was es denn heute bedeutet, beheimatet zu sein. Wo Selbstschutz endet und Verblendung beginnt. Wofür der Heimatbegriff alles geradestehen muss. Und ob denn tatsächlich in Gefahr ist, was wir als Heimat bezeichnen.

MIT Thomas Arzt (Autor), Christa Zöchling (Journalistin Profil Und Autorin), Dr. Wolfgang Hölzl (Rosegger-Experte, Geschäftsführer Leykam Buchverlagsgesellschaft) u.a.

Zum Stück:

Eine Kleinstadt in der österreichischen Provinz ist in Aufruhr. Die Statue des Heimatdichters Peter Rosegger, das Prunkstück der Gemeinde, neigt sich neuerdings immer mehr seitwärts. Und obwohl die Vorstadtbewohner das nahende Unheil nicht wahrhaben wollen, wird bald klar: Irgendetwas liegt im Argen und der Vorzeigebürger Wiesinger steckt mittendrin.