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„Ein virtuos erfüllter Auftrag“ und „ein wütender, intensiver Abend“

„Wenn zwei literarische Giganten fusioniert werden“: „Der Auftrag: Dantons Tod“ ist am 1. Juni zum letzten Mal in HAUS EINS zu sehen: „Ein virtuos erfüllter Auftrag. Ein Wagnis, restlos geglückt“, resümiert die Kleine Zeitung den Abend. „Jan-Christoph Gockel sorgt mit seinem kongenialen Bruder im Geiste, dem Puppenspieler Michael Pietsch für ein multimediales, anarchisches Treiben fernab aller Theaterkonventionen.“

Am 3. Juni begegnen einander in „H“ zum letzten Mal Kurt Cobain und Prinz Hamlet in HAUS DREI – zwei Brüder im Geiste. „Florian Köhler nähert sich in ‚H‘ Shakespeares Hamlet und Kurt Cobain an. Ein wütender, intensiver Abend“, zeigt sich die Kleine Zeitung nach der Premiere begeistert.

 

Zum letzten Mal „Der Auftrag: Dantons Tod“ am 1. Juni, 19.30 Uhr, HAUS EINS

Zum letzten Mal „H“ am 3. Juni, 20.30 Uhr, HAUS DREI

 

„Das Theater der Revolution ist eröffnet“

Premiere am 3. März, 19.30 Uhr, HAUS EINS

Mit der Französischen Revolution im Hintergrund treffen in ,,Der Auftrag: Dantons Tod“ Heiner Müllers „Der Auftrag“ und Georg Büchners „Dantons Tod“ aufeinander und verhandeln in der Regie von Jan-Christoph Gockel das Scheitern politischer Systeme.

Mit im Gepäck sind auch diesmal wieder Puppen von Michael Pietsch, der bereits in „Merlin“ den kleinen menschlichen Rekonstruktionen Leben einhauchte.

Weitere Vorstellungen am 7. und 17. März, am 5., 13., 26. und 29. April, jeweils 19.30 Uhr, sowie ab Mai, HAUS EINS

TLG: Konsumverhalten

Mein Lebensstandard beruht auf Ausbeutung. Ihrer auch. Wir können über Spendengelder und ehrenamtliche Tätigkeiten versuchen, der Zufälligkeit unseres Geburtsortes gerecht zu werden. Werden wir dieser Ungerechtigkeit der Verteilung der Mittel, der Verteilung von Unmittel auf dieser Welt aber je angemessen begegnen? Zumindest kann kein Spendengeld und keine ehrenamtliche Tätigkeit darüber hinweg täuschen, dass unser Lebensstandard auf Ausbeutung, Armut, Krieg, Folter, Vergewaltigung beruht. Am Boden dieses Zusammenhangs von Lebensstandard und Ausbeutung sitzt und spuckt und speit die Weltwirtschaft. Deswegen ist es vor allem unser Konsumverhalten mit dem wir tagtäglich Entscheidungen über den Fortgang von Ungerechtigkeit treffen.

Wie diese weltwirtschaftlichen Zusammenhänge genau aussehen, natürlich sind das große Schritte, wie genau und woher? Andererseits sind die Zusammenhänge natürlich auch frappierend einfach. Die von Jan-Christoph Gockel und Ensemble erarbeitete Performance COLTAN-FIEBER vermittelt im raschen Durchgang unter Verwendung einfacher Theatermittel diesen Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und Ausbeutung. Damit der kleine Leopold in Belgien seinen Laptop, seine Playstation und sein Handy haben kann, muss ein anderer Junge im Kongo im Bürgerkrieg kämpfen und in Coltan-Minen für 3 Dollar im Monat arbeiten. Neben der inhaltlichen Dringlichkeit zeichnet die Performance auch ein großes Gespür für große Bilder aus.

von Theresa Luise Gindlstrasser

Kritik zu Coltan-Fieber: Ein Stück Kongo

Von Lisa Handler

Im Rahmen des Dramatiker*innenfestivals ließen Regisseur Jan-Christoph Gockel und sein internationales Ensemble in Coltan-Fieber die Puppe tanzen, schuften und schießen.

Der Kleine kommt aus der Schule und will lernen, doch jemand schreitet bedrohlich auf ihn zu und drückt ihm eine Waffe in die Hand. Das Schulzeug wird angezündet und löst sich zusammen mit seiner kindlichen Unschuld in Rauch auf. Als Kindersoldat, ausgebeuteter Arbeiter oder als kleiner Tyrann, der herumschreit, weil er den neuesten technischen Schnickschnack haben will, stellt die Kinderpuppe Leonhard in der Performance die Verbindung zwischen den Geschichten her.

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Kritik zu COLTAN-FIEBER: Kaltes Erz

Von Paulina Scheiring

In einem Handy steckt die ganze Welt. Auch ein Stück des Kongo. Das Gastspiel „Coltan-Fieber“ von Regisseur Jan-Christoph Gockel und seinem internationalen Ensemble wird im Rahmen des Dramatiker*innenfestivals im Haus Zwei des Schauspielhaus Graz auf die Bühne gebracht – es vereint Informatives und Improvisiertes und führt die Missverhältnisse der Konsumwirtschaft vor Augen.

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„Coltan-Fieber“ am 4. Juni, 17.00 und 20.00 Uhr, HAUS ZWEI

Jan-Christoph Gockel und Michael Pietsch („Merlin“) zeigen die kollektive Performance „Coltan-Fieber“ zu Ausbeutung und Kinderarbeit im Kongo rund um das Erz Coltan.

Zum Stück: Die Geschichte der Ausbeutung von Ressourcen im Kongo von der Kolonialzeit bis heute: Vier Schauspieler aus Belgien, Kongo, Deutschland und Haiti decken erschreckende Tatsachen rund um das Erz Coltan in biographischen Improvisationen und spielerischem Rollentausch mit Puppenspiel auf.

REGIE Jan-Christoph Gockel PUPPENBAU Michael Pietsch KÜNSTLERISCHE MITARBEIT Patrick Joseph LICHT Maman Iro Abdoul Aziz DRAMATURGIE Kerstin Ortmeier MIT Patrick Joseph, Yves Ndagano, Gianni La Rocca, Michael Pietsch

MERLIN bei den internationalen Maifestspielen

„Merlin oder Das wüste Land“ wurde zu den internationalen Maifestspielen in Wiesbaden eingeladen! Bei den Maifestspielen finden 50 Veranstaltungen von renommierten Schauspielensembles, weltbekannten Sängerinnen und Sängern und hochkarätigen Tanzkompanien statt. Im Mittelpunkt des Schauspielprogramms stehen drei große deutschsprachige Autoren:

Tankred Dorst, der im letzten Jahr seinen 90. Geburtstag feierte, ist den WiesbadnerInnen durch die Biennale sehr verbunden. Mit der Grazer Inszenierung von „Merlin oder Das wüste Land“ (Regie: Jan Christoph Gockel)  wird sein Hauptwerk vertreten sein.

Daneben werden die Uraufführung von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße“ vom Burgtheater Wien, Thomas Bernhards „Holzfällen“, gelesen von Claus Peymann, Luk Percevals Hamburger Inszenierung (Thalia Theater) „Liebe. Trilogie meiner Familie 1“ von Émile Zola und „Die Reise nach Petuschki“ (Uraufführung am Burgtheater) gezeigt werden.

„Merlin oder Das wüste Land“ wird am 3. und 4. Mai um jeweils 19 Uhr im großen Haus gezeigt werden.

Regisseur Jan-Christoph Gockel: „Es freut uns sehr, dass unsere Inszenierung durch die Einladung zu den Maifestspielen in der Region zu sehen sein wird, in der Puppenspieler Michael Pietsch und ich viel arbeiten und außerdem leben.
Der Grazer-„Merlin“ war in mehrerlei Hinsicht eine besondere Arbeit für mein Team und mich: zum ersten Mal wurde das Stück mit Puppen inszeniert – obwohl Autor Tankred Dorsts Anfänge selbst im Puppentheater liegen. Dass die Inszenierung kurz nach seinem 90. Geburtstag auf ein internationales Gastspiel geladen wird, liegt nicht zuletzt am Zauber des großen Kosmos, den Dorst mit seinem Werk geschaffen hat.“

Intendantin Iris Laufenberg: „Tankred Dorst und Ursula Ehlers Weltenepos MERLIN konnte in der brillanten Inszenierung von Jan-Christoph Gockel und mit den kongenialen Puppen von Michael Pietsch über Graz hinaus in seiner Opulenz und Vielschichtigkeit beeindrucken. Desto erfreulicher ist, dass die Inszenierung vom Schauspielhaus Graz nun über die österreichischen Landesgrenzen hinaus zu den renommierten Maifestspielen nach Wiesbaden eingeladen worden ist. Da die Einladung mit dem 90. Geburtstag des Autors zusammengefallen ist, verstehe ich sie auch als Glückwunsch an den Jubilar, den langjährigen Kurator und Mitbegründer der „Biennale – Neue Stücke aus Europa“ und an eine herausragende Künstlerpersönlichkeit.“

MERLIN ODER DAS WÜSTE LAND von Tankred Dorst, Mitarbeit Ursula Ehler
am 3. und 4. Mai, jeweils 19 Uhr, im großen Haus

Regie Jan-Christoph Gockel Bühne Julia Kurzweg Kostüme Sophie du Vinage Puppenbau Michael Pietsch Musik und Hörspiel Matthias Grübel Lichtdesign Thomas Trummer Dramaturgie Karla Mäder

mit Julia Gräfner, Benedikt Greiner, Fredrik Jan Hofmann, Florian Köhler, Raphael Muff, Michael Pietsch, Evamaria Salcher, Franz Solar

Ein Fest für Tankred Dorst an den Berliner Festspielen mit MERLIN aus Graz

Zum 90. Geburtstag von Tankred Dorst gab es ein Fest an den Berliner Festspielen. Jan-Christoph Gockel und Michael Pietsch waren mit Puppen aus „Merlin oder Das wüste Land“ mit dabei!

Fotos (c) Michael Krömer, Greenpocket Bewegtbild

Mit Merlin durch Graz

Achtung, frei laufende Ritter: Die Crew von „Merlin oder Das wüste Land“ hat sich heute von der Bühne herunter durch Graz gewagt! Mit dabei Sir Kay (Raphael Muff) und Puppe Galahad (gespielt von Michael Pietsch). Zu sehen gibt’s die beiden wieder am 27. Oktober und 5. November in HAUS EINS, wir freuen uns auf euch!

Im Merlin-Kosmos

Der 33-jährige Regisseur JAN-CHRISTOPH GOCKEL inszeniert Tankred Dorsts
1981 uraufgeführtes Drama „Merlin oder Das wüste Land“.
Karla Mäder hat mit ihm über die Produktion, die Frage nach der Aktualität des Stoffes, die Auseinandersetzung
mit dem Text und die Umsetzung mit Puppen von Michael Pietsch, gesprochen.

 

 

 

 

KARLA MÄDER: Du hast zusammen mit Michael Pietsch zur Vorbereitung Tankred Dorst
und Ursula Ehler getroffen. Welche Impulse und Gedanken konntest Du
aus der Begegnung in die Inszenierungsarbeit mitnehmen?

JAN-CHRISTOPH GOCKEL: Es war eine sehr berührende Begegnung,
weil wir zwei wichtige Vertreter einer älteren Theatergeneration kennenlernen durften.
Wir hatten ein paar Puppen aus anderen Inszenierungen dabei, und das Inspirierende war,
dass Dorst uns erzählt hat, dass er seinen ersten Theatertext nach dem 2. Weltkrieg
für ein Puppentheater in München geschrieben hat. Ein Grund, warum
damals Puppentheater gemacht wurde, war unter anderem der, dass direkt
nach dem Krieg die Theater alle zerstört waren. Dorsts Puppentheater war
ein ganz kleines Theater, und er selber hat sich als „Dilettanten“ bezeichnet.
Und auch Michael Pietsch und ich haben als jugendliche „Dilettanten“
angefangen mit Puppen zu arbeiten. Außerdem hat uns Dorst erzählt, dass
der „Merlin“ wohl noch nie mit Puppen gemacht wurde. Wir haben uns Gedanken
gemacht, welche Möglichkeiten das Stück in Bezug auf Puppenspiel
bietet, und irgendwann hat Dorst den wunderbaren Satz gesagt: „Auf Puppen
kann man mit Pfeilen schießen, auf Schauspieler ja nicht.“

 

KARLA MÄDER: Du stammst ja aus der Enkel-Generation von Tankred Dorst und wurdest
vor 33 Jahren, im Jahr nach der Uraufführung des „Merlin“ geboren. Als
wie zeitgenössisch empfindest Du das Stück?

JAN-CHRISTOPH GOCKEL: Nicht nur formal finde ich das Stück sehr zeitgenössisch,
auch wenn es inzwischen schon ein moderner Klassiker ist. Modern ist, dass der Autor mehr
Material zur Verfügung stellt, als man verwenden kann. Aufgrund dieser Fülle
muss man auswählen, es braucht Verdichtung, man muss entscheiden,
wer welche Rollen spielt, wir mussten auch entscheiden, welche Rollen von
Puppen gespielt werden. Dadurch nimmt einen der Autor anders in die Verantwortung.
Ungestrichen dauert das Stück 15 Stunden; die Uraufführung
fand 1981 an zwei Tagen statt. Der Autor hat einen Kosmos, Themen und Figuren
vorgegeben, und er erlaubt uns, Co-Autoren zu sein, indem wir sein
Werk für unsere Aufführung adaptieren. Das ist eine sehr moderne Auffassung von Autorschaft.

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