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Yellow Line

Am 1. Juni ist die Komödie „Yellow Line“ von Charlotte Roos und Juli Zeh zum letzten Mal in HAUS ZWEI des Schauspielhaus Graz zu sehen (20 Uhr).

Zum Stück: Sei es in der Kunst, in der Politik, im Urlaub: Überall wird der Mensch an die Hand genommen, hinter Zäune und in ein festes Regelwerk gezwängt. In „Yellow Line“ verschwimmen Grenzen zwischen Pauschalurlaub, Massenzuwanderung und Massentierhaltung und werden Grenzübertritte im Allgemeinen zum Problem. Dabei stehen die Figuren immer wieder vor der Frage, ob es sinnvoll ist, vorgegebene Linien zu überschreiten und wann dabei die öffentliche Ordnung wirklich in Gefahr gerät.

YELLOW LINE von Charlotte Roos und Juli Zeh
Zum letzten Mal am 1. Juni, 20 Uhr, HAUS ZWEI

Regie Jan Stephan Schmieding Bühne Frank Holldack, Anne-Sophie Raemy Kostüme Anne-Sophie Raemy Dramaturgie Iris Laufenberg mit Vera Bommer, Simon Käser, Nico Link, Anne Weinknecht

Und das sagte die Presse zum Stück:

„Schwindelerregend scharfsichtig. […] Der Text ist widerborstig, wahnsinnig witzig und politisch unkorrekt. […] In rasanten Ringelspielrunden, bei der jede Umdrehung eine neue Überraschung birgt, dreht Regisseur Jan Stephan Schmieding die Geschichten ineinander. Das großartige Ensemble (Nico Link, Vera Bommer, Simon Käser, Anne Weinknecht) spielt sich in 75 temporeichen Minuten durch einen scharfsichtigen Abend.“ (Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, 24. September 2016)

„Eine skurrile, hochaktuelle Komödie, die brennende Themen behandelt und trotzdem bestens unterhält. Sehr gelungen! […] So kann man ernste Themen mit Witz versetzen und sein Publikum bestens unterhalten.“ (Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 24. September 2016)

Mit dem Schauspielhaus Graz ins neue Jahr!

Wenn alle Päckchen ausgepackt sind, geht es im Schauspielhaus Graz hoch her: und das auf allen Bühnen.

Nach den Weihnachtsfeiertagen hat man die Qual der Wahl: am 27. Jänner darf bei „Yellow Line“ wieder gelacht werden. Mit dieser Komödie von Charlotte Roos und Juli Zeh kann man außerdem auch direkt am Silvesterabend das alte Jahr verabschieden.

HAUS EINS, ZWEI oder DREI?

Am 28. wird der erfolgreiche musikalische Theaterabend „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ von Sandy Lopičić zum letzten Mal in Graz zu sehen sein. Das Vorstadttheater Graz zeigt in HAUS ZWEI Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und in HAUS DREI nähert sich an diesem Abend Ensemblemitglied Florian Köhler in „H“ mit außerordentlichen Gitarrenklängen Kurt Cobain und Hamlet.

Große Gefühle erlebt man in der „Romeo und Julia“-Inszenierung der britischen Regisseurin Lily Sykes (29.12.). In HAUS ZWEI wird wiederum erzählt und gesportelt: Bei „Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ lässt die Autorin Swetlana Alexijewitsch ehemalige Sowjetbürger*innen im Rahmen der Olympischen Spiele ihre persönlichen Erfahrungen schildern. Wer an diesem Abend lieber selbst aktiv werden möchte, der ist gut beraten, HAUS DREI einen Besuch abzustatten: In Philipp J. Ehmanns Theater-Spiel „Press Staat for Revolution“ werden Wege gesucht, die Zukunft umzugestalten – und persönliche Mini-Revolutionen erschaffen.

Gepfiffen wird am vorletzten Tag des Jahres von Nikolaus Habjan: In „Ich pfeife auf die Oper“ präsentiert er mit wienerischem Charme die schönsten Arien aus den vergangenen 3 Jahrhunderten. Und Abschied nehmen heißt es vom „Theater-Roadmovie“ „dosenfleisch“ von Ferdinand Schmalz.

Startschuss ins neue Jahr

Bevor die Sektkorken knallen und die ersten Raketen gezündet werden, wird mit gleich zwei Vorstellungen des Komödienhits „Der Revisor“ (um 16 und um 20 Uhr) das alte Jahr verabschiedet und das neue eingeläutet: Mit viel Humor ab ins neue Jahr!

Infos und Termine: www.schauspielhaus-graz.com, 0316 8000 oder tickets@ticketzentrum.at

Mit dem Schauspielhaus ins neue Jahr!

Das Schauspielhaus lässt die Korken knallen …

Am letzten Abend des Jahres 2016 erwartet Sie ein besonderes Programm im Schauspielhaus Graz!
Auch heuer rutschen wir wieder gemeinsam mit Gästen, Freundinnen und Freunden ins neue Jahr: In HAUS EINS wird Nikolaj Gogols Stück „Der Revisor“ in einer Doppelvorstellung zu sehen sein. HAUS ZWEI verabschiedet das alte Jahr mit der Komödie „Yellow Line“.

DOPPELVORSTELLUNG „Der Revisor“ am
31. Dezember, 16.00 und 20.30 Uhr, HAUS EINS
€ 6 bis € 58 (16.00 Uhr) und € 9,50 bis € 70 (20.30 Uhr)

VORSTELLUNG „Yellow Line“ am
31. Dezember, 20.00 Uhr, HAUS ZWEI

€ 22 / € 11 (erm.), inkl. ein Glas Sekt für alle Besucher*innen im Anschluss an die Vorstellung in der Kantine!

EINE KUH AUS EUROPA

GESPRÄCH MIT DEM REGISSEUR JAN STEPHAN SCHMIEDING ÜBER SEINE PRODUKTION „YELLOW LINE“
Als das Stück herauskam, galt in Europa die Vermutung, dass der Stacheldrahtzaun aus Europa im Begriff ist zu verschwinden, die Grenzen offen sind und „Reisefreiheit“ vorherrscht. Klingt heute, 2016, wie eine Erzählung aus grauer Vorzeit: Das war im Jahr 2012!

Die Figur des Zaunbauers aus „Yellow Line“ hätte heute tatsächlich vollere Auftragsbücher und mehr europäische Kunden als noch vor ein paar Jahren. Aus einer gemeinsamen Außengrenze wurden in kurzer Zeit viele Binnengrenzen; das Konstrukt der Europäischen Union, das dem Kontinent seine längste Friedensperiode überhaupt beschert hat, befindet sich in einer prekären Lage. Gemeinsam haben die Europäer derzeit anscheinend nur mehr die Angst vor Zuwanderung, den daraus folgenden wiederaufkommenden Nationalismus und der sich spiralförmig verengenden Sicherheitsrhetorik.

Wie hat sich deine Perspektive auf das Stück verändert, in dem ja der Rahmen noch das „grenzenlose“ Europa und die menschliche Begrenzung eher einer der Köpfe als der realen Stacheldrahtzäune ist?

Das Thema des Stückes ist uns quasi noch näher auf den Leib gerückt. Die Bilder von Elend und Abschottung erreichen uns nicht mehr von den Rändern Europas; sie sind hautnah zu erleben. Die Wirkung des Stückes hat sich dadurch aber für mich nicht verändert. Verschärft, vielleicht eher. Wir wollen unsere Freiheit verteidigen, wenn nötig auch mit noch mehr Stacheldraht. Dabei stellen sich Helene und Paul im Stück die Frage, was genau denn ihre Freiheit ausmacht, in einer „Konsum-wirtschaftlich“ geprägten Gesellschaft, die reglementiert und ausgrenzt, und die Mensch und Tier gleichermaßen nur noch aus ökonomischer Sicht bewertet.

Worin liegt für dich der Humor bei „Yellow Line” ? Dürfen wir über ein solch ernstes und aktuell beklemmendes Thema überhaupt lachen?

Natürlich ist das Thema an sich überhaupt nicht zum Lachen. Die Fliehenden begeben sich in Lebensgefahr, unser von Angst vor „Überfremdung“ geprägtes Verhalten sorgt zusätzlich dafür und
dass das Recht der Menschenwürde in den Hintergrund rückt. Das Stück aber nähert sich seinen Figuren, egal welcher Herkunft, mit der gleichen Sympathie. Allen Figuren ist die Überforderung am eigenen Leben gemein. Der Libyer Asch-Schamich etwa ist überfordert mit der Situation, seinem offiziellen Gegenüber in Lampedusa verständlich machen zu müssen, dass er gar nicht nach Europa fliehen wollte, sondern schlicht in Seenot geraten ist. Gleiches gilt für Helene, die mit ihrer Beziehung und den Tücken unserer von Regeln und Konsumverlockungen überfrachteten Gesellschaft kämpft. Und wie in jeder Komödie entfaltet sich auch der Humor von „Yellow Line“ darüber, dass man die Nöte und Ängste der Figuren absolut ernst nimmt. Letztendlich konfrontiert uns das mit den unüberbrückbaren Widersprüchen, die unser komplexes Leben uns heute beschert. Dazu gehört die Tendenz, einfache, pauschale Urteile und Erklärungen den komplizierteren, widersprüchlicheren vorzuziehen. Oder der Umstand, dass wir uns in Europa gerne als besonders freiheitlich, tolerant und offen feiern, diese Freiheit anderen dann aber nur sehr selektiv gewähren. Oder die absurde Tatsache, dass wir unsere, von der Marktwirtschaft bis ins kleinste gelenkten und überwachten Konsumentscheidungen als Ausdruck höchster Freiheit wahrnehmen. Helene ist entsetzt über den rabiaten Umgang der Behörden mit einer aus einem hochmodernen, europäischen Stall geflohenen Kuh, aber das Schnitzel am Buffet im Pauschalurlaub ist dann doch zu verlockend, um darauf zu verzichten.

Ausblick: Das bringt der Herbst

Wir sind gerade mitten in der Sommerpause – doch schon bald gehen die Proben und Vorbereitungen für die kommenden Stücke weiter!
Verpasst etwa nicht das Eröffnungsfest „Widerstand zwecklos?!“ am 9. September, das im ganzen Haus Lust auf die neuen Stücke macht. Richtig los geht es mit der ersten Inszenierung in HAUS EINS: Der junge Autor Thomas Arzt hat „Die Neigung des Peter Rosegger“ für Graz verfasst: Ein kleines, steirisches Dorf gerät über seine kippende Rosegger-Statue in Zwist. Eröffnungspremiere am 15. September. Ab 30. September macht ein vermeintlicher „Revisor“ (Komödie von Nikolaj Gogol) ein russisches Städtchen unsicher. In Kooperation mit dem steirischen herbst entsteht „Empire“ von Milo Rau, Premiere am 14. Oktober. Studierende der KUG wirken in dem musikalischen Familienstück „Der Mondmann“ nach dem Bilderbuch von Tomi Ungerer mit, das Mathias Schönsee wieder mit Musik von Maike Rosa Vogel („Johnny Breitwieser“) inszeniert; zu sehen ab 21. Oktober.
HAUS ZWEI eröffnet am 22. September mit „Yellow Line“ von Juli Zeh und Charlotte Roos, der bösen Komödie über Freiheitsbedürfnisse zwischen Pauschalurlaub, Massenzuwanderung und Massentierhaltung. Das Theater Kaendace zeigt „Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist“, eine Theatersonate von Gert Jonke ab 29. September.
Und in HAUS DREI zeigt die junge Schauspielerin Tamara Semzov ihr Solo über ihre Herkunft „Malenkaya Strana (Kleines Land)“ ab 28. September. Außerdem widmet sich Florian Köhler gemeinsam mit Viola Novak den beiden Helden Hamlet und Cobain in „H“ mit Demut und seiner Gitarre, ab 13. Oktober.

Wir stellen vor … Vera Bommer

Von der Schweiz nach Graz: Wir stellen euch hier Vera Bommer vor, neben Mathias Lodd eines der beiden neuen Ensemblemitglieder am Schauspielhaus! Ihr kennt sie schon u. a. aus „Lupus in Fabula“, „Frequenzen“ und „Jeder … Niemand, Graz und die Menschenrechte“, in der kommenden Spielzeit gibt sie die Clara in „Yellow Line“!

1988
VICO MORCOTE
2007
MANNHEIM
2015
GRAZ

Vera Bommer, Jahrgang 1982, ist in Zug geboren und in der italienischen Schweiz aufgewachsen. 2007 hat sie ihre Schauspielausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. In der Spielzeit 2007.2008 war sie festes Ensemblemitglied des „Schnawwl“ – dem Kinder- und Jugendtheater am Nationaltheater Mannheim. Danach gastierte sie u. a. am Theater Biel/Solothurn, wo sie die Rolle der Viola in Shakespeares „Was ihr wollt“ (Regie: Katharina Rupp) spielte. Es folgten diverse Filmproduktionen, u. a.in der zweiten Staffel von „Der Bestatter“ für das Schweizer Fernsehen, „Nachtexpress” von Alex Kleinberger und „Hinter diesen Bergen” von Michael Krummenacher. Von 2010 bis 1013 war Vera Bommer festes Ensemblemitglied am Theater Kanton Zürich in Winterthur, wo sie danach auch noch als Gast tätig war. Am Konzert Theater Bern war sie in der Spielzeit 2014.2015 Gast in der Produktion „Yellow Line” von Jan Stephan Schmieding.