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Tankred Dorst †

„Die wenigen Spuren ihrer Existenz bleiben rätselhaft.“ (Merlin in „Merlin oder Das wüste Land“ über die Menschheit)

Tankred Dorst ist verstorben. Mit großer Trauer haben wir heute diese Nachricht erhalten.
Mit seinem Weltepos „Merlin oder Das wüste Land“ (Regie: Jan-Christoph Gockel) eröffnete Intendantin Iris Laufenberg ihre erste Spielzeit 2015.2016 am Schauspielhaus Graz. Im Zuge dessen begegnete uns Tankred Dorst als freundlicher, kluger, weltoffener Mensch, der mit Leib und Seele Autor war. Diese Begegnungen werden uns in wertvoller Erinnerung bleiben. Unsere Gedanken sind bei allen, die ihm nahestanden.
Das Team des Schauspielhaus Graz

„Der richtige Weg ist der, auf dem der Mensch sich selber findet.“ (aus „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst und Ursula Ehler)

Iris Laufenberg: „Tankred Dorst war 1991 mein erster ‚Chef‘ am Theater nach meinem Uni-Abschluss. Er hatte gemeinsam mit Intendant Manfred Beilharz am Schauspiel Bonn das Festival Bonner Biennale gegründet. Mit Ursula Ehler und Tankred Dorst war ich für das Festival auf unvergesslichen Dienstreisen durch Europa und gemeinsame Erlebnisse auf Reisen schweißen zusammen. Vor allem dann, wenn die Begleitung solch gebildete und großzügige Weltenbummler sind, an deren Seite zu sein, jede Sekunde reines Vergnügen bedeutete. Ich bin unendlich traurig und meine Gedanken sind bei Ursula. Eurer beiden Liebe ist in der Tat tiefer als jeder Ozean.“

„Und einmal sollte Frieden sein für immer.“ (aus „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst und Ursula Ehler)

 

Bild 1: Tankred Dorst, Iris Laufenberg, Ursula Ehler | Bild 2: Leitungssitzung der Bonner Biennale 1993 mit Ursula Ehler, Tankred Dorst, ehem. Intendant des Schauspiel Bonn Manfred Beilharz, Iris Laufenberg, Irma Dohn, Herrmann Wündrich und Frieder Weber (von rechts nach links) | Bild 3: Tankred Dorst, Iris Laufenberg, Ursula Ehler (Maifestspiele Wiesbaden 2016) | Tankred Dorst, Ursula Ehler, Uwe-Eric Laufenberg (Maifestspiele Wiesbaden)
Die Bilder sind nicht zum Download und zur Veröffentlichung freigegeben.

Über Tankred Dorst auf nachtkritk.de
1925 im thüringischen Oberlin bei Sonneberg geboren, begann Dorst seine Schriftstellerlaufbahn in München, wo er in den 1950er Jahren für das Studenten-Marionettentheater „Kleines Spiel“ Stoffe der Weltliteratur von Lope de Vega bis Grabbe bearbeitete. Seinen Durchbruch als Dramatiker erlebte er 1960 mit dem an Brechts epischem Theater geschulten Einakter „Große Schmährede an der Stadtmauer“. Dorsts inhaltlich stets komplex gedachte Stücke wurzeln – trotz oft mythischer oder fantastischer Stoffe – in der Gegenwart. Besonders sein 1981 in Düsseldorf uraufgeführtes Achtstundendrama „Merlin oder Das wüste Land“ inspiriert Regisseure immer wieder zu grundsätzlichen Befragungen der Zeit. Seine Verfechter heben Dorsts konsequentes Eintreten für eine Perspektive des Einzelnen hervor, sein Misstrauen gegenüber Ideologien und verordneten Perspektiven der Geschichtsschreibung.

In seinen mehr als 50 Stücken setzte sich Tankred Dorst auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinander. Regisseure wie Peter Zadek, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. Neben Theaterstücken schrieb Tankred Dorst auch Libretti und Drehbücher. Viele Stoffe wurden gemeinsam mit Ursula Ehler entwickelt, mit der er seit Anfang der 1970er Jahre verheiratet war. 2009 wurde Dorst mit dem Verdienstorden des Landes Thüringen ausgezeichnet. 2010 wurde ihm der Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Würtemberg verliehen, im selben Jahr wurde er Ehrenbürger von Sonneberg. 2012 erhielt er für sein Lebenswerk den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“. (WDR / geka)

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